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Ende 2010 haben mehrere deutsche Familien von der Immobilienfirma REALBAU Alanya (Inhaber Helmut Schmitz) Wohnungen in der Paradise Residence in Avsallar gekauft.
Viele Jahre hatten sie für ihren Traum gespart. Doch jetzt droht er zum Albtraum zu werden. Die Wohnungen wurden doppelt verkauft, man will die Wohnungen aufbrechen und ihre Möbel auf den Müll werfen.


So begann der Traum

Der deutsche Makler Wolfgang Forbach (AZ-Immobilien) aus Wetzlar warb auf seiner Webseite mit der Wohnanlage Paradise Residence in Avsallar. Forbach vermittelte die Deutschen an die Firma REAL-BAU in Alanya. REALBAU-Inhaber Helmut Schmitz verkaufte die Wohnungen und ist Vertragspartner der deutschen Familien. REAL-BAU vergab die Bauaufträge an die Firma HF Insaat (Inhaber Hasan Fidanci) in Alanya.


Die Fertigstellung des Bauvorhabens war für Dezember 2010 versprochen worden. Das wurde erst auf April 2011, dann Mai 2011 und schliesslich auf Juni 2011 verschoben. Inzwischen ist zwar das meiste fertig, aber viele Dinge müssen noch gemacht werden, z.B. Aussenanlagen, Sauna, Fitnessräume usw.


Es gibt Zahlungsprobleme

Im Frühjahr 2011 geriet die Baufirma HF Insaat in Zahlungsschwierigkeiten. Deswegen schlossen die Firmen HF Insaat und REALBAU einen Vertrag, der die weitere Fertigstellung der Baustelle an REALBAU überträgt. In diesem Vertrag ist auch geregelt, welche Wohnungen im Gegenzug für die Baufertigstellung und für Zahlungen an Handwerker, Lieferanten und Material von HF Insaat an REALBAU zu übergeben sind. Diese Verträge liegen der Redaktion vor.

Die ersten Wohnungskäufer hatten Glück und haben ihre Tapus inzwischen erhalten. Doch drei deutschen Familien droht der Verlust ihrer Wohnungen und gezahltem Kaufpreis.

HF Insaat und REALBAU streiten darüber, ob und in welcher Form die vereinbarten Zahlungen geleistet wurden oder nicht. REALBAU behauptet, es seinen insgesamt 530.000 Euro gezahlt worden. HF Insaat sagt dagegen, es seien noch Forderungen offen, und nur deshalb würden die restlichen Tapus nicht übertragen. Auf dem Rücken der Wohnungskäufer beschuldigen sich HF Insaat und REALBAU somit gegenseitig. Weiter wirft Helmut Schmitz von REALBAU dem deutschen Makler Wolfgang Forbach vor, er habe in Deutschland Anzahlungen in bar entgegengenommen, diese aber nicht in die Türkei weitergeleitet. Die Redaktion ist im Besitz von mehreren Dutzend Mails, Verträgen und Abrechnungsbelegen der beteiligten Firmen und Inhaber.


Es kommt noch schlimmer

Vor kurzem kam heraus, dass die Tapus der drei deutschen Wohnungskäufer an einen türkischen Geldgeber verkauft wurden. Dieser Mann namens Görgülü ist derzeit rein rechtlich Eigentümer der drei Wohnungen. Er hat die drei deutschen Familien aufgefordert, den Kaufpreis nochmals an ihn zu zahlen. Sondern würde er die Wohnungen aufbrechen und das persönliche Inventar auf die Müllkippe bringen lassen.

Vertragspartner der drei deutschen Familien ist die Firma REALBAU. Doch auch deren Inhaber Helmut Schmitz hat derzeit massive Zahlungsprobleme. Das hat er Anfang November in mehreren Mails an die Wohnungskäufer zugegeben. Mitarbeiter hätten ihm 30.000 Euro, alle Computer und alle Akten gestohlen. Er sei in Deutschland, um Gelder aufzutreiben.

Inzwischen ist Helmut Schmitz wohl wieder in Alanya. Das ziemlich grosse Privathaus der Familie wird inzwischen zum Verkauf angeboten.

Die drei deutschen Familien haben noch immer nicht ihre Tapus. Ausserdem soll eine neue REALBAU gegründet worden sein, die auf den Namen der Ehefrau von Helmut Schmitz läuft.


Tapu unterm Weihnachtsbaum?

Die Redaktion der Deutschen Türkei Zeitung hat die Firma REALBAU und ihren Inhaber Helmut Schmitz als ordentlichen Geschäftsmann kennengelernt. Wir hoffen, dass Helmut Schmitz seine vertraglichen Pflichten einhält und den drei deutschen Familien das Tapu kurzfristig übergibt. Vielleicht ja schon in einer Geschenkbox unterm Weihnachtsbaum?


Wie können Käufer sich schützen?

Eigentümer ist derjenige, der im Grundbuch (Tapu) steht. Deshalb gibt es nur einen Schutz: Erst zahlen, wenn man das Tapu in der Hand hat. Dann entsprechend dem Baufortschritt jeweils nur entsprechende Teilzahlungen an die Baufirma leisten. Nur so hat die Baufirma ein Interesse an der Fertigstellung.

Oftmals läuft es nämlich bei Bauvorhaben so: Der Bauunternehmer sucht potentielle Käufer und überredet diese, den Kaufpreis bereits bei Vertragsabschluss komplett zu zahlen. Die ersten 100.000 Euro fliessen dann erstmal in eine schicke Büroeinrichtung, einen Geländewagen für den Chef und evtl. noch ein Cabrio für die Frau. Darüber hinaus pflegt mal als Unternehmer einen teuren Lebensstil.

Solange von neuen Käufern neues Geld reinkommt, funktioniert das Schneeballsystem. Irgendwann kommt der Punkt, wo kein Geld mehr da ist. Dann werden Wohnungen einschliesslich Tapu an Kredithaie übertragen, um weitermachen zu können. Die Kredithaie möchten 10 Prozent Zinsen, natürlich pro Monat. Jedem ist klar, dass die Blase irgendwann platzen wird.

Darum:
Bei Vertragsabschluss maximal eine kleine Anzahlung von wenigen Tausend Euro. Weitere Zahlungen erst dann, wenn das Tapu überschrieben wird und dann immer entsprechend dem Baufortschritt. Egal, welche Geschichten, Märchen und Versprechen der Verkäufer erzählt. Das Haus kann noch so schön sein - wichtiger ist, dass Sie Ihr Geld nicht verlieren. Für die Überschreibung des Tapu ist eine Genehmigung der Militärverwaltung in Izmir notwendig, was rund sechs Wochen dauert. Wenn der Verkäufer nicht solange warten will, lassen Sie die Finger davon weg! An der Türkischen Riviera gibt es Zehntausende Wohnungen, die auf Käufer warten. Und: Morgen fängt der nächste Bauunternehmer die nächste Baustelle an. (18.12.2011)

Text: Dietmar Pedersen


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