Türkei: "Hürriyet" wird "gleichgeschaltet"

Türkei Zeitung: Hürriyet

Jetzt bringt Erdoğan auch die letzten freien Zeitungen und Fernsehsender in der Türkei unter seine Kontrolle. Die "Hürriyet" und "CNN Türk" wurden vom Doğan-Konzern an die Holding des regierungstreuen Unternehmers Erdoğan Demirören verkauft. Bis auf vier kleine Zeitungen mit zusammen 50.000 Auflage werden jetzt 99 Prozent der türkischen Medien direkt oder indirekt von der Regierung kontrolliert.

Die "Hürriyet" ist mit rund 325.000 Exemplaren die auflagenstärkste türkische Zeitung. Auch die TV-Sender "CNN-Türk" und "Kanal D" wechseln den Besitzer. Zum Deal gehört auch die Nachrichtenagentur "DHA". Die DHA war die einzige grosse unabhängige Nachrichtenagentur des Landes neben der staatlichen Agentur Anadolu.

Trotz massiver Einflussnahme der Regierung hatten die Doğan-Medien bis zuletzt versucht, sich einen Rest an Unabhängigkeit zu bewahren. Doğan war die letzte mediale Bastion der alten säkularen Türkei.

Die Doğan-Gruppe steht seit Jahren unter starkem Druck der AKP-Regierung. 2009 verhängten die Finanzbehörden eine Strafe in Höhe von 2,5 Milliarden Euro wegen angeblicher Steuervergehen. Doğan musste danach zwei grosse Zeitungen, die "Milliyet" und die "Vatan" an Demirören verkaufen.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche "Hürriyet"-Journalisten verhaftet oder mussten auf Regierungsanweisung entlassen werden.

Der Kaufpreis soll 725 Millionen Euro betragen. Auch der Springer-Verlag verkauft seine Beteiligung an der Doğan-Holding. Springer hatte vor 20 Jahren 25,1 Prozent der Anteile gekauft. Zuletzt hielt Springer nur noch 7 Prozent an der Doğan-Holding. (23.03.2018)