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Wie viele Europäer, sind auch wir in der Türkei auf den Hund gekommen. Erst war es eine ausgesetzte Welpe, wenig später kam die todkranke kleine Schwester hinzu. Das alles ist nun schon über vier Jahre her, und die Tiere sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken.

Wenn unsere Deutschlandaufenthalte länger als eine Woche dauern, kommen sie mit in die deutsche Heimat. Somit kann man zu Recht behaupten, dass auch sie zahlende Vielflieger sind.

Anfang Dezember wollten wir der Regenzeit in der Türkei den Rücken kehren und die Vorweihnachtszeit mit Familie und Freunden in Deutschland genießen.

Vor über einem Jahr, ist noch unser Katerchen hinzugekommen, für ihn ist es der erste Flug gewesen und dementsprechend aufgeregt waren wir.

Auf dem Flughafen Antalya war Hochbetrieb, und unsere Hunde wurden erst im letzten Augenblick abgeholt. Bange Geschichten holen uns ein, in denen Hunde im falschen Flieger waren oder sogar vergessen wurden. Noch einmal die Bestätigung des hetzenden Bodenpersonals: "Tamam Düsseldorf", dann der letzte einverständliche Blick zwischen den Hunden und uns. Ja, wir wissen alle, es ist nicht angenehm, aber Hunde, die schon über zwanzigmal geflogen sind, wissen was auf sie zukommt. Auch dass Herrchen und Frauchen sie auf dem schnellsten Wege aus ihrer Box befreien.

Die Leinen noch in der Hand hofft man auf einen guten Flug für die Tiere. Dass sie gut behandelt werden und alle ganz, ganz lieb zu ihnen sind.

Aber diesmal mussten die Hunde unsere Aufmerksamkeit teilen, denn das Katerchen hatte seinen Jungfernflug.

Im Flieger stellt sich die Frage, wohin mit der Katzenbox? Der Fußraum, hoffnungslos überschätzt, ließ jedenfalls nicht auf einen entspannten Flug hoffen, entweder die Katzenbox oder meine Füße! Also kam die Box auf den Schoß und die bange Frage machte sich breit: "Ist das vier Stunden lang auszuhalten, und war der Kater immer schon so schwer?" Aber egal, der Kater ist dabei und die ungewohnten Vorkommnisse scheinen ihn bislang noch nicht zu stressen.

Dann die positive Überraschung - ein freundlicher Flugbegleiter der Sunexpress tippte mir auf die Schulter und fragte, ob es uns recht sei, wenn wir die Plätze tauschen. Zwei junge Männer, die eine Dreierreihe für sich hatten, hatte er bereits gefragt, und sie waren freundlicherweise einverstanden. Jaaahaaa, es ist uns recht, gerne! Es folgte ein entspannter Flug, auf dem Katerchen einen Sitzplatz für sich alleine beanspruchen durfte, und so ließ er sich auch bereitwillig kraulen.

Unsere Zielflughäfen sind Münster und Düsseldorf, beide sind uns in puncto Tiere als sehr unkompliziert bekannt.

In Düsseldorf angekommen: Das Gepäckband setzt sich in Bewegung, das Warten auf die Koffer beginnt, und unsere Blicke wandern immer wieder zu der Eisentür, aus der das Sperrgepäck und somit auch unsere Tiere kommen. Aber diesmal von den Tieren keine Spur. Etliche Bänder weiter sehe ich plötzlich die Tiere in ihrer Box stehen. Die Freude ist auf beiden Seiten groß und herzlich. Zunächst beachte ich den Mann, der neben ihnen steht nicht besonders. Wir sind es gewöhnt, dass die Boxen in das Flughafengebäude geschoben werden, und man kann sich seine Hunde einfach nehmen.

Auf meinen Freudenschrei hin "tututu..., da seid Ihr ja! Habt Ihr das wieder toll gemacht... Frauchen holt Euch sofort raus tututu...", und die glucksenden Worte, die auch Babys über sich ergehen lassen müssen, setzt bei den Tieren eine so große Freude ein, dass die Box bedenklich anfängt zu wackeln. Und die wollen nur das Eine - RAUS!!!

Aber der Mann neben ihnen stoppt jäh unsere Wiedersehensfreude. Ohne einen "Guten Tag", kommt die strenge Frage: "Sind das Ihre Tiere?" Nö, ich laufe immer mit zwei Leinen auf dem Flughafen herum und bringe fremde Hunde so in einen Freudentaumel, dass die Box umzukippen droht. Blöde Frage, natürlich sind das meine Hunde! Aber das denke ich nur, und heraus kommt es brav "Ja, das sind meine Hunde". "Erst die Papiere, die müssen untersucht werden". Papiere untersuchen...hm...aber ok. Der Mann trägt Uniform, er hat recht und Rechte, und wir...?

Noch ein Versuch an unsere Tiere zu kommen, wird mit den Worten abgeschmettert "erst die Papiere, dann die Hunde". Die ratlosen Blicke der Hunde, die über zwanzigmal sofort aus ihrer Box durften, veranlassen mich dazu, meinem Mann entgegen zu eilen, und ihn per Handy trotzdem noch zu kontaktieren, denn er hat die Papiere bei sich.

Ich werfe dem Beamten noch den Satz zu "...bin sofort wieder da", und schon sehe ich das besorgte Herrchen der Tiere mit zwei Kofferwagen und dem Katerchen durch die Menschen und Koffer lavieren.

Der unfreundliche Zollbeamte nutze die Gelegenheit zur Flucht, weg war er. Unsere Hunde waren wieder hinter dem Rollgitter, und wir standen davor.

Als er zurück kam, wurden ihm gleich drei deutsche Tierpässe überreicht, daraus schloss er messerscharf, dass es ja noch ein drittes Tier geben muss. Das hob seine Stimmung, so konnte er uns noch weiter drangsalieren, und er fing mit der Kontrolle des Katerchens an.

Nachdem er mit einem Lesegerät, welches so groß wie die Katze selbst war, einige Male erfolglos über die Katzenbox geglitten war und nicht den erwünschten Erfolg verzeichnen konnte, wollte er, dass ich die Box öffne. Allen Ernstes sollte ich mitten in dem großen Flughafengebäude die Box öffnen, damit er mit seinem Riesenlesegerät auf eine Katze zugehen konnte, die bis dato bereits zehn Stunden in dieser Box verweilt hatte.

Unqualifizierter geht es ja wohl nicht! Langsam öffnete ich die Box. Als ich die Gelassenheit des Katers sah, war klar, dass dieser der Klügere von den Beiden war. Er ließ die Prozedur locker über sich ergehen, die auch noch dadurch in die Länge gezogen wurde, dass der Mann vom Zoll gravierende Rechts- und Linksprobleme hatte. Mehrmals wurde ihm gesagt, dass der Chip an der linken Seite sitzt, und er fing an zu raten wo denn nun rechts und wo links ist. Da in den meisten Fällen der Chip an der linken Halsseite und dem Ohr liegt, hätte er für seine Karriere lernen können. Ebenso, dass man eine Katzenbox nur in einem überschaubaren und geschlossenen Raum öffnet.

Nun hatte er die Chipnummer bei dem Katerchen gefunden, sogar richtig in seinen Papieren abgelesen und für übereinstimmend befunden, machte er sich an den Hunden zu schaffen. Auch hier waren die Hunde der geduldige und vernünftige Teil des Schauspiels.

Als dem wichtigen Mann vom Zoll wieder sein Richtungsproblem Sorgen bereitete, nahm mein Mann ihm kurzerhand das Lesegerät aus der Hand, zeigte ihm geistesgegenwärtig, wo links ist, und somit auch der Chip.

Ein unzufriedener Schatten legte sich auf das faltige Gesicht des unfreundlichen Beamten, er hatte leider nichts gefunden. Deutsche Papiere - somit deutsche Tiere. Impfpass und Titerpapiere in Ordnung, er musste uns gehen lassen. So konnte ich wohl auch keine freundliche oder informative Antwort erwarten, als ich fragte, ob es einen besonderen oder aktuellen Grund hat, dass auf einmal kontrolliert wird.

Seine Antwort war ein einziger Vorwurf: "Sie kommen aus der TÜRKEI, da wird immer kontrolliert!!" Hm..., nicht so ganz richtig, denn für uns war es auf den zahlreichen Flügen das erste Mal.

Über diesen Beamten ist unsererseits eine Beschwerde verfasst worden. Denn wir und auch unsere treuen Vierbeiner sind zahlende Gäste, und möchten auch so behandelt werden. (09.12.2009)

Angelika Kammer
angelika@tuerkei-zeitung.de


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