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Anja Günther: Wie es weiterging (3)

Die beiden Berichte über Anjas Leben aus dem Jahre 2007 beantworteten viele Fragen derer, die nicht verstehen, wie eine junge, hübsche Frau dazu kommt ihr normales Leben wie mit einem Schalter auszustellen, zu verzichten und ihr gesamtes Leben, ihre Lebenszeit, ihre Gesundheit und ihre Kraft den Tiere zu schenken. Kein Bummeln, kein Shoppen, kein Kino oder einfach einmal spontan ausgehen.

Für Anja ist das alles Luxus. Den gönnt sie sich ein- bis zweimal im Jahr, wenn sie von ihrer Familie eingeladen wird. Aber höchstens für 5–6 Tage im Jahr, denn der Gedanke an "ihre" Tiere lässt sich nicht verdrängen. So nimmt sie sich vor, mal richtig zu shoppen. Aber hinterher ist der Koffer voll mit Artikeln für die Tiere, die sie in der Türkei nicht kaufen kann.


Aber wie ging es weiter ab 2007?

Zu diesem Zeitpunkt war Anja schon zwei Jahre Tierheimleiterin. Extrem engagiert, bewundert, umstritten, präsent, streitbar, versöhnlich und nicht selten in Gefahr. Aber immer, absolut immer, standen die Tiere im Vordergrund. Mit denen hat sie geweint und gelitten. Für viele ist Anja auch ein Vorbild, sie fordert nie, aber sie gibt immer.

Das Tierheim von Alanya in Dermirtas war Anjas Leben, sie machte das oft Unmenschliche menschlich, trug mit den Tieren ihre Last und machte sie erträglicher.

Sie konnte sich nicht an ihr "Soll" halten, die vorgeschriebene Anzahl der Tiere, die sie aufnehmen durfte. Sie hätte die Tore wieder verschließen müssen, und einen großen Schritt über die abgelegten Tierbündel vor ihrer Türe machen, und sie verrecken lassen. Das wäre nicht Anja Günther gewesen.

Sie hätte sich auch bequem in ihr Büro setzen können, und als Tierheimleiterin delegieren können, sie hatte ja "ihre" Angestellten. Aber sie ist Notrufen nachgegangen. Sie hat Tiere gesucht, die Leute verletzt gesehen haben. Hat Grenzen überschritten, weil sie nur aus ihrem Einzugsgebiet Tieren helfen und sie aufnehmen sollte. Ein Tier leiden lassen, nur weil es aus einem Nachbarort kommt, das geht über den Verstand der Tierschützerin Anja hinaus.


Anja ging in die Schulen

Gemeinsam gingen wir in Schulen, hielten Vorträge und luden Schulklassen ein. Es wurden Flyer zur Aufklärung gedruckt, es gab etliche Aktivitäten, um die Grundeinstellung der türkischen Bevölkerung zu den Tieren zu ändern. Anja scheute sich nicht, die Behörden aufzusuchen, um ihnen die Missstände in ihrem Ort wie einen Spiegel vorzuhalten. Es war eine sehr aktive Zeit, die viele Weichen gestellt hat. Mit dem Zweifel, dass diese weiter genutzt oder geschweige denn ausgebaut werden.

Noch drei Jahre sollte sie Tierheimleiterin sein, dann ging eine Ära nach fünf Jahren zu Ende.

Anja hatte immer häufiger Tiere mit nach Hause genommen, weil diese besondere Pflege brauchten oder im Tierheim nicht überlebt hätten. So kam mit der Zeit eine stattliche Anzahl von Hunden und Katzen zusammen, die sie nun in ihrer privaten Wohnung hatte. Aus den ehemaligen Fundtieren wurden, nachdem sie nicht mehr als Tierheimleiterin fungierte, ihre Tiere. Liebend gerne hätte sie, trotz Versorgungs- und Platzmangel, einige weitere Tiere unter ihre Fittiche genommen, die einer besonderen Pflege bedurften.

Sie sicherte Fenster, baute kleine Gehege, Katzenzimmer und zog Zäune, aber das Bellen konnte sie den Tieren nicht verbieten. Genau so wenig konnte sie nach wie vor an verletzten oder ausgesetzten Tieren vorbeifahren. Irgendwann war ihre ganze Wohnung voller Tiere.


Anja Günther und Mutter Inge

Hätte Anja in dieser Zeit ihre Mutter Inge nicht gehabt, sie hätte weder das Geld noch die Kapazitäten gehabt, diese Situation zu bewältigen. Hinzu kamen Probleme mit Vermietern und Nachbarn, ein ständiger Kampf.

Mutter Inge ist inzwischen 89 Jahre alt. Sie hat fünf Kinder in ihrem Leben großgezogen und als selbständige Unternehmerin hart gearbeitet. Als die Kinder erwachsen waren und sie sich aus dem Arbeitsleben zurückzog, baute sie sich ein beschauliches Leben auf. Sie genoss ihren wohlverdienten Ruhestand. Mutter Inge hatte eine nette Wohnung in ihrer Heimatstadt Hamburg. Wenn das Wetter kalt und schmuddelig wurde, zog sie sich zurück nach Lanzarote für 5 – 6 Monate im Jahr, dort war ihre zweite Heimat. In dem 15 Jahren Lanzarote hatte sie Freunde und nette Nachbarn, die sich auf sie freuten, und das warme Klima tat ihr auch gut.

Aber das alles war im Angesicht der leidenden Tiere für sie nicht mehr das, was es die vergangenen 15 Jahre war. Sie wagte mit über 80 Jahren noch einmal einen Neustart in der Türkei bei Anja. In einer mehr als bescheidenen Wohnung von 2 Zimmern, 2 Gehegen und Terrasse, ohne Klimaanlage, die die Hitze im Hochsommer erträglich macht, geschweige denn einen Pool, in dem man sich eine Abkühlung verschaffen kann.

Mutter Inge half die Tiere zu versorgen, die sie inzwischen liebevoll "meine Kinder" nennt, und sorgt dafür, dass "anständig" gegessen wird. Anja und Inge rückten räumlich immer mehr zusammen, weil die Schar der Tiere immer größer wurde. Auch auf die finanzielle Hilfe von Inge waren die Tiere angewiesen. Das Polster auf dem Konto wurde spürbar kleiner, inzwischen ist es aufgebraucht. Inge gibt ihre gesamte Rente für die Tiere und dessen Überleben aus. Nur ein ganz kleiner Betrag bleibt immer stehen, er ist für den Notfall, falls sie mal schnell nach Deutschland muss.

Inge ist nun 89 Jahre alt, und nach zwei Operationen vor wenigen Jahren fällt ihr das Laufen schwer. Manchmal ist sie müde, manchmal weiß sie nicht, wie es weiter gehen soll. Dann zieht sie sich still in ihr Zimmerchen zurück. Aber nur so lange, bis "ihre Kinder" wieder gefüttert werden müssen. Das geschieht auf die Minute genau, darauf ist Verlass.


Ein Haus für Tiere

Das große Problem mit der Unterkunft schien gelöst, als eine Tierschützerin das nicht mehr mit ansehen konnte, wie Anja und ihre Mutter in dieser kleinen Wohnung mit all den Tieren leben mussten. Ihr Plan war, eine geerbte Wohnung zu verkaufen, um davon das Grundstück für das jetzige Haus zu kaufen. Nese A. kaufte also das Grundstück und konnte dann noch das Fundament des Hauses bezahlen, dafür reichte es gerade noch. Aber auf einem Grundstück mit Fundament kann niemand wohnen. So fand sich die Lösung in einem zinslosen Kredit in Höhe von EUR 20.000 von Frau Hess. Aber auch in der Türkei kann man kein Haus in der Größenordnung, wie sie für die vielen Tiere benötigt wird, für EUR 20.000 bauen. Das gesamte Projekt wäre den Bach runter gegangen, wenn die nette Frau Hess das Desaster nicht erkannt hätte, und dann anstatt EUR 20.000 EUR 50.000 für die gesamte Fertigstellung bereit gestellt hätte. Und es wäre in einer Katastrophe geendet, weil Anja und Inge inzwischen die Kündigung ihrer Wohnung zwecks Eigenbedarfs bekommen hatten.


Haus war fertig - aber neue Probleme

Nun stand das Haus, aber die Tiere konnten noch nicht raus, weil kein Zaun da war. Anjas Schwester sprang ein und bezahlte die gesamte Umzäunung. Und da sie ihre kleine Schwester und ihre Mutter nicht in dem unmöblierten Haus wissen wollte, bezahlte sie auch noch die Möbel.

Die freundlichen Tierschützer, die Anja und Mutter Inge unterstützt haben, wollten nur das Eine, dass die beiden Frauen endlich in Ruhe mit ihren Tieren leben können. Denn inzwischen waren es 18 Hunde und 24 Katzen, eine Erweiterung der Tierschar war nicht geplant.

Die Idylle in der Einsamkeit hat ihren Preis. Kamelspinnen, deren Beine an die 15 cm lang werden, Skorpione und Schlangen gehören zum Alltag. Damit hat Anja, die ja nun ihren ersten Sommer in dem Haus lebt, kein großes Problem, aber mit dem fehlenden Wasser.

Es ist ein fast unerträglicher Zustand, dass sie nur zwei bis drei Tage in der Woche Wasser haben. Das bedeutet, ein Brunnen muss her. Mensch und Tiere brauchen Wasser. Es gibt kranke und verletzte Tiere, deren Liegestellen sauber gehalten werden müssen.

Der jetzige Stand ist, dass Anja 48 Hunde und 27 Katzen beherbergt, versorgt und ihnen ein Zuhause bietet. Daneben füttert sie noch Tiere an festen Futterstellen, die ganz gut in der Freiheit zurecht kommen, sofern sie einmal am Tag eine Mahlzeit bekommen.

Gebraucht wird dringend das Geld für einen Brunnen, weitere Gehege, Medizin, Tierarzt und die Sicherstellung des Futters.


Kitmir Tierhilfe Demirtas e.V. gegründet

Aus diesem Grunde haben Petra Raithel 45 J. Groß- und Einzelhandelskauffrau, und Robert Steiner 35 J., Ingenieur, dass Zepter in die Hand genommen, und einen Verein gegründet, die Kitmir Tierhilfe Demirtas e.V.

Vielleicht hat jemand kürzlich das Auto gesehen bei Facebook, das Petra Raithel und Robert Steiner voll beladen zu Anja brachten. Solche Aktionen sollen in Zukunft des öfteren stattfinden. Mutig, voller Elan und Spontaneität packt die Führung des neuen Vereins ihr lobenswertes Vorhaben an.

Auch hier, absolute Transparenz. Von 7.00 – 22.00 Uhr ist Petra Raithel über das Vereinstelefon für Fragen und Belange erreichbar. Auch Anja Günther ist telefonisch, über Facebook und natürlich sehr gerne auch persönlich in Demirtas zu besuchen. Ein Anruf genügt, und Ihnen wird der Weg erklärt. Vielleicht verbinden sie Ihr Interesse oder Ihre Hilfe mit einem Ausflug zum Sapadere Canyon oder nach Gazipasa. Anja benötigt auch handwerkliche Hilfe: Wenn jemand einmal einen Tag mithelfen könnte, wäre dass eine tolle Aktion.

Wert legen die beiden Tierschützer auf die Information, dass sie die Kosten ihrer Arbeit, Fahrten und Verwaltung selbst tragen. Das bedeutet, wenn sie 1 Euro spenden, kommt dieser Euro komplett an.

Egal, wieviel sie spenden, es kommt an und hilft! Wer Mitglied im Kitmir Tierhilfe Demirtas e.V. werden möchte mit EUR 3,00 monatlich, der ist herzlich willkommen.


Bitte spenden Sie für:

Bitte spenden Sie für:
- Kastrationen (Jedes Tier MUSS kastriert werden)
- Tierärztliche Versorgung
- Das tägliche Fressen, auch außerhalb des Hauses, an den Futterstellen

Ihre Spende kann auch zweckgebunden sein, für ein bestimmtes Tier, oder bis zur Ausreise eines Tieres. Vielleicht mögen Sie einen Hund aufnehmen, bitte machen Sie Werbung in Ihrer Umgebung für die Tiere. Wenn ein Tier ausreisen kann, braucht es Flugpaten. Stellen Sie sich für eine Flugpatenschaft zur Verfügung. Die Möglichkeiten, zu helfen sind unendlich, suche Sie doch einfach den Kontakt zu Petra, der 1. Vorsitzenden vom Verein Kitmir, oder zu Anja. Beide freuen sich über Hilfe und Interesse.

Alle Informationen, die Satzungen und das Formular für Ihre Fördermitgliedschaft finden sie unter www.kitmir.de

Die Information ist ausführlich und lückenlos.

Die beiden Initiatoren des Vereins bestreiten die gesamte Vereinsarbeit neben ihrer Beruftätigkeit und neben der Verpflichtung ihren vier Hunden gegenüber, von denen drei Hunde aus dem Tierheim Demirtas stammen. Sie bitten um Verständnis, dass die Webseite noch nicht so informativ fertig gestellt ist, wie sie mal sein soll.

Ich bin der Ansicht, dass das Wohl der Tiere erste Priorität hat, und dass bei soviel Engagement die noch nicht vollkommene Webseite verzeihbar ist.

Nun bitte ich um Spenden und Mitgliedschaft für EUR 3,00 im Monat. Jeder Betrag zählt, auch wenn er noch so klein ist. Wer macht mit, auf wen können wir zählen?

Angelika Kammer
angelika@tuerkei-zeitung.de

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